Renovieren

Haus entkernen – was ist dabei zu beachten?

Tipps & Tricks / Renovieren:  Was ist eine Entkernung? Bei einer Entkernung wird ein Gebäude fast vollständig abgerissen – lediglich die Gebäudehülle bleibt erhalten. Sämtliche anderen Bauteile entfernt ein Fachbetrieb. Weder Böden, Fenster, Türen noch nicht tragende Wände bleiben bei den Entkernungsarbeiten erhalten.

 

Das Entkernen eines Hauses, auch als Entkernung bezeichnet, bezieht sich auf die Entfernung aller nicht tragenden Elemente im Inneren eines Gebäudes, während die tragenden Strukturen wie Wände, Decken und das Dach intakt bleiben. Dies ist oft der erste Schritt bei umfangreichen Renovierungs- oder Umbauprojekten.

Webnn man ein Haus entkernen will (vollständiger Rückbau von Innenwänden, Decken, Installationen etc. bis auf die Rohbau-Substanz) handelt es sich um eine komplexe Baumaßnahme, die sorgfältige Planung und Beachtung rechtlicher, technischer und sicherheitsrelevanter Aspekte erfordert, nachstehend werden die einzelnen Maßnahmen erläutert.

Planung, Vorbereitung und Analyse einer Hausentkernung

Die Planung einer Hausentkernung ist ein komplexer Prozess, der sorgfältige Vorbereitung und Koordination erfordert.

Bestandsaufnahme

Dokumentation: Eine gründliche Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands des Gebäudes ist notwendig.

Schadstoffanalyse: Überprüfung auf gefährliche Materialien wie Asbest, Blei, PCB und andere Schadstoffe, die spezielle Handhabung und Entsorgung erfordern. Zweckmäßig ist es, ein Schadstoffgutachten einzuholen, um feststellen zu lassen, ob
z. B. Asbest, PCB oder Holzschutzmittel vorhanden sind. Dazu besteht eine Pflicht, besonders bei Altbauten (vor 1990).

Die Entfernung von Asbest ist abhängig vom Bundesland anzeige- und sachkundepflichtig.

Gebäudebegutachtung: Eine detaillierte Untersuchung des aktuellen Zustands des Gebäudes. Dokumentation durch Zeichnungen, Fotos, Videos und Baupläne.

Statik prüfen lassen: Ein Statiker oder Bauingenieur muss beurteilen, welche tragenden Wände und Decken erhalten bleiben müssen, um die Gebäudestabilität zu gewährleisten.

Genehmigungen und rechtliche Anforderungen

In einigen Fällen ist eine Genehmigung der Bauaufsichtsbehörde erforderlich, klären Sie daher mit dem Bauamt ab, ob eine Baugenehmigung erteilt werden kann, insbesondere wenn strukturelle Änderungen vorgenommen werden sollen. Manchmal ist die Pflicht zur Beantragung einer Baugenehmigung auch abhängig vom Umfang der Bauarbeiten und vom Denkmalschutzstatus.

Denkmalschutz: Überprüfen Sie ob das Gebäude unter Denkmalschutz steht, und denken Sie an die rechtzeitige Einholung entsprechender Genehmigungen.

Budgetplanung

Kostenschätzung: Erstellung einer detaillierten Kostenschätzung für die Entkernung, einschließlich Arbeitskosten, Entsorgungskosten und eventueller Kosten für Schadstoffbeseitigung.

Finanzierung: Sicherstellung der notwendigen finanziellen Mittel für das Projekt.

Planung der Folgenutzung

Neue Raumaufteilung:
Klären Sie vor der Entkernung, wie das Haus später genutzt werden soll (z. B. offener Grundriss, Gewerbeumnutzung).

Technische Updates einplanen:
Leerrohre für Strom/Internet, Vorbereitung für neue Heizungs- oder Lüftungssysteme.

Planung der Entkernungsarbeiten

Zuerst muss ein kompletter Arbeitsplan erstellt werden, der den erforderlichen Zeitrahmen mittels eines Zeitplans festlegt, den notwendigen Personaleinsatz aufzeigt und die Ausrüstung beinhaltet.

Zeitplan

Erstellung eines detaillierten Zeitplans für die Entkernung, einschließlich Start- und Enddatum sowie Zwischenmeilensteinen.
Festlegung der Reihenfolge der Arbeiten, um die Effizienz zu maximieren und Sicherheitsrisiken zu minimieren.

Personal

Fachkräfte: Einstellung von qualifiziertem Personal, einschließlich Bauleiter, Facharbeiter und ggf. Experten für Schadstoffbeseitigung.

Ausrüstung

Bereitstellung der notwendigen Werkzeuge und Maschinen für die Entkernungsarbeiten, wie Abbruchhämmer, Schutzausrüstung und Container für den Abtransport von Abbruchmaterial.

Sicherheitsmaßnahmen
Wie bei allen Baumaßnahmen sind auch für die Entkernung Maßnahmen des Arbeitsschutzes und der Baustellensicherung erforderlich.

Arbeitsschutz

Persönliche Schutzausrüstung (PSA): Bereitstellung und Nutzung von Helmen, Schutzbrillen, Handschuhen, Atemschutzmasken und Sicherheitskleidung für alle Arbeiter.
Sicherheitsunterweisungen: Schulung der Arbeiter in Bezug auf Sicherheitsvorschriften und den richtigen Umgang mit Werkzeugen und Maschinen.

Baustellensicherung

Absperrungen und Schilder: Absperrung der Baustelle und Anbringung von Warnschildern, um unbefugten Zutritt zu verhindern.
Schutzvorrichtungen: Installation von Staubschutzwänden und Schutznetzen, um die Ausbreitung von Staub und Trümmern zu minimieren.
Abschottung: Bereiche mit Schadstoffen müssen abgesperrt und unter Unterdruck gesetzt werden, um Kontamination zu vermeiden.
Brandschutz: Funkenflug beim Schneiden von Metall vermeiden; Feuerlöscher bereithalten.

Durchführung Haus entkernen

Gefahrenquellen identifizieren

  • Schadstoffe, wie Asbest (in Fliesenkleber, Putz, Dachplatten), PCB (in Fugendichtungen), Schimmel oder Holzschutzmittel müssen fachgerecht entfernt und entsorgt werden.
  • Bei Altlasten in Installationen immer daran denken, dass alte Elektroleitungen, Gasrohre oder Öltanks Gefahren bergen können und Fachfirmen diese demontieren müssen.
  • Staubschutzmaßnahmen (Abschottung, Staubsauger mit HEPA-Filter) und Lärmschutz sind gesetzlich vorgeschrieben.
  • Achtung bei Leitungen! Wasser, Strom und Gas vorab abstellen.
    Alte Leitungen dokumentieren, um spätere Konflikte zu vermeiden.
  • Bei der Schuttentsorgung achtsam sein. Trennen Sie Materialien (Holz, Metall, Bauschutt, Sondermüll wie Asbest) und entsorgen Sie sie gemäß gesetzlicher Vorgaben. Sondermüll muss von zertifizierten Firmen abtransportiert werden.
  • Der Rückbau muss Schritt für Schritt erfolgen. Erst werden die
    nicht-tragenden Innenwände, Deckenverkleidungen, Böden und Installationen entfernt. Die tragenden Elemente (z. B. Stahlträger, Stützen) dürfen nur nach Freigabe durch den Statiker angepasst werden.

Demontage der Innenausstattung

  • Möbel und Einbauten: Entfernen aller Möbel, Einbauten und sonstiger beweglicher Gegenstände.
  • Bodenbeläge und Deckenverkleidungen: Abreißen von Teppichen, Fliesen, Parkett, Zwischendecken und anderen Verkleidungen.
  • Entfernung von nicht tragenden Wänden
  • Trockenbauwände: Abbau von Gipskartonwänden und anderen leichten Trennwänden.
  • Mauerwerk: Abtragen von nicht tragenden Mauerwerkswänden, wobei besondere Vorsicht geboten ist, um die tragenden Strukturen nicht zu beschädigen.

Rückbau von Installationen

Elektrik und Sanitär: Demontage und Entfernung der elektrischen Leitungen, Steckdosen, Schalter, sowie Sanitärinstallationen wie Rohre, Waschbecken und Toiletten.
Heizungsanlagen: Ausbau von Heizkörpern, Heizungsrohren und gegebenenfalls der Heizungsanlage.

Entsorgung und Recycling

Trennung und Recycling

Materialtrennung: Sorgfältige Trennung der Abbruchmaterialien in verschiedene Fraktionen wie Holz, Metall, Kunststoffe und mineralische Baustoffe.

Recycling: Transport der getrennten Materialien zu geeigneten Recycling- und Entsorgungseinrichtungen.

Schadstoffentsorgung

Gefährliche Stoffe: Fachgerechte Entsorgung von gefährlichen Stoffen wie Asbest, PCB-haltigen Materialien oder anderen Schadstoffen durch zertifizierte Entsorgungsunternehmen.

Abschlussarbeiten

Reinigung

Baustellenreinigung: Gründliche Reinigung der Baustelle nach Abschluss der Entkernungsarbeiten, um sie für die folgenden Bauphasen vorzubereiten.

Dokumentation

Abschlussdokumentation: Erstellung einer Abschlussdokumentation, die die durchgeführten Arbeiten, die Menge der entfernten Materialien und die Entsorgungsnachweise umfasst.

Kontrolle und Abnahme

Endabnahme: Durchführung einer Endabnahme mit allen beteiligten Parteien, um sicherzustellen, dass alle Arbeiten ordnungsgemäß abgeschlossen wurden.
Mängelbeseitigung: Behebung eventueller Mängel, die bei der Endabnahme festgestellt werden.

Typische Fehler vermeiden

Tragende Wände nicht eigenmächtig entfernen → es besteht Einsturzgefahr!
Schadstoffe nicht unterschätzen → es können Gesundheitsrisiken und hohe Nachsanierungskosten entstehen.
Keine Dokumentation anfertigen → Hier entstehen Probleme bei späteren Umbauten oder beim Verkauf.

Kosten und Finanzierung der Entkernung

Kostenfaktoren sind hauptsächlich Schadstoffsanierung und die Entsorgung und Trennung des Baumülls.

Schadstoffsanierung (bis zu 50 €/m² bei Asbest),
Entsorgung (ca. 100–300 €/Tonne Sondermüll),
Fachfirmen für Statik und Rückbau.

Wann ist eine Entkernung sinnvoll?

  • Bei umfassenden Sanierungen (z. B. Denkmalschutzimmobilien),
  • Bei Schäden durch Wasser oder Schimmel,
  • Für komplette Neugestaltung (z. B. Loft-Umbau).
  • Eine Entkernung ist ein Projekt mit hohem Aufwand, aber sie bietet die Chance, ein Haus energetisch und funktional zukunftssicher zu modernisieren.
  • Planen Sie ausreichend Zeit und Budget ein – und holen Sie frühzeitig Expertenrat!

Fazit

Das Entkernen eines Hauses ist ein komplexer Prozess, der sorgfältige Planung, fachgerechte Durchführung und die Einhaltung aller Sicherheits- und Umweltvorschriften erfordert. Eine gründliche Bestandsaufnahme, der Schutz der Arbeiter und die ordnungsgemäße Entsorgung der Abbruchmaterialien sind wesentliche Elemente, um den Prozess erfolgreich und sicher zu gestalten.

Durch sorgfältige Planung und Koordination können die Risiken minimiert und der Erfolg des Entkernungsprojekts sichergestellt werden!

Quelle: Tipps24-Netzwerk - HR
Fotos: Pixabay / CCO Public Domain / Peggy_Marco